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gunda Reisebericht Ostsee rund - über Polen, das Baltikum, Finnland zu den Aland Inseln. Durch Schweden zurück

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13.6. Wir machten uns bei durchwachsenem Wetter auf den Weg vom Fischland in MV nach Mielno in Polen. Mehr als 400 km sollten es am Tag nicht werden. Darum konnten wir nicht den direkten Weg von Stettin zu den Masuren wählen. Zu wenige Campingplätze, auf Stellplätze ohne Bewachung mögen wir zwei "alten" Frauen uns nicht stellen. Also von Stettin zur Ostseeküste nach Osten. Unser Navi tobte sich aus und schickte uns über alle kleinen Dörfer. Wir erlebten alle Arten von Staßen, von gut bis schlecht. Allgemein sind in den letzten Jahren die Straßen schon sehr viel besser geworden, nur in den Randgebieten von Großstädten finden sich noch zum Teil katastrophale Vehältnisse.
Unser Tageziel war Mielno, CP Na Granicy, auf einer Landenge am See, zum Ostseestrand ca. 400 Meter. Der Stand, wie ÜBERALL in Polen, feinsandig und breit.
Das bei Polen offensichtlich beliebte Seebad noch sehr "sozialistisch" angehaucht. Wird erst zögerlich renoviert. Die Restaurants zum Teil geschlossen, da noch keine Saison, auf dem CP kaum Betrieb.
Am 14. 6. führte uns der Weg an der Ostseeküste entlang Richtung Danzig. Es regnete mehrfach und der Verkehr nahm zu. Vor Danzig auf die Autobahn, leider gerieten wir für eine Stunde in einen Stau. Als wir endlich Danzig hinter uns hatten, fuhren wir weiter Richtung Elbing. Leider führte die an sich erfreuliche Tatsache, dass dort eine neue Autobahn gebaut wird, zu weiteren Staus und stockendem Verkehr, die Baustelle ist riesig lang. Das nächste Mal würden wir doch irgendwie direkt von Stettin nach Osten fahren.
An einer Tankstelle, vor allem für LKW, fanden wir einen landestypischen Imbiss, wo wir für 20 zt (Ca. 5 Euro) frisch hergestellte Pelmenis, die für zwei Mahlzeiten reichten.Nach ungefähr 350 km erreichten wir Katno bei Ostroda, mitten in Masuren. An einem schönen, stillen See fanden wir den CP Katno, einen kleinen Fmiliencampingplatz, mit Badestelle, Kajakverleih, Grillhütte und einer kleinen Bar. Absolut still und friedlich.
Weiterer Regen begleitet uns am 15.6. durch Masuren. Die Landschaft ist wunderschön, die Störche kaum zu zählen.Die vielen LKW Richtung Baltikum erweisen sich als etwas hinderlich, aber alle müssen dieselbe Straße benutzen.
Trotzdem finden wir am frühen Nachmittag unseren CP an einem ruhigen See nach 260 km bei Suwalki in der inzwischen berühmten "Suwalkilücke". Das ist eine schmale Stelle zwischen dem russischen Ostpreußen und Weißrussland. Hier zeigt sich verstätkt die Nato, um Russland bewusst zu machen, dass man nicht gewillt ist, eine Sperrung diesen Gebietes durch Russland hinzunehmen. Uns ermöglicht das Gebiet problemlos und ohne Pass das Baltikum zu betreten/befahren.
Der CP U Haliny Wigry liegt unmittelbar neben der Wallfahrtskirche Wigry, ist sehr schlicht, hat aber eine sehr schöne Lage und eine urwüchsige preiswerte Küche.
Am 16.6. stellen wir zuerst einmal die Uhren 1 Stunde vor, von nun an haben wir die osteuropäische Zeit. Wir machen uns auf den Weg nach Riga, ca. 400 km, und reihen uns in die Reihe der unzähligen LKW ein, die ebenso wie wir ins Baltikum fahren. Ich rüste mich seelisch auf die Begegnung mit diesen Riesen, die in Litauen und Lettland die Straßen unsicher machen, das muss man so sehen. Da sie wohl unter permanenten Zeitdruck stehen, überholen sie auf Teufel komm heraus.Man muss damit rechnen, dass sie vor Kurven und Kuppeln überholen. Wenn dann von vorne Fahrzeuge kommen, treten die Fahrer grundsätzlich die Flucht nach vorne an. Also Obacht, den Fuß auf der Bremse, sonst liege ich im Graben. Zum Glück ist die Straße in Litauen inzwischen verbreitert und übersichtlicher, was die Situation doch entschärft.
Am Nachmittag erreichen wir Riga. Wie beim letzten Mal kreiseln wir erstmal etwas ratlos in der Stadt herum, unsere "Frau Müller" entscheidet sich grundsätzlich zu spät dazu, uns das Abbiegen anzukündigen. Schließlich erreichen wir doch den CP Riga City Camp, einen Stadtplatz, der sich bei den Messehallen befindet und nur im Sommer betrieben wird.
Ein gutes Angebot des Cp ist die tägliche Stadtrundfahrt mit dem CPeigenen Bus. Ich genieße am nächsten Tag einen großen Gang mit dem Hund, während Heidi sich auf die Rundfahrt begibt. Nachmittags gönnen wir uns - leider bei Regen- eine Taxifahrt in die Stadt. Wir haben große Probleme, dem Taxifahrer mitzuteilen, dass wir die Markthallen besuchen wollen. Der lettische Fahrer hatte null Fremdsprachenkenntnisse. Eine hilfsbereite Passantin half uns auf den Weg, hatte ihm aber gesagt, wir wollten zu einem großen Einkaufszentrum. Zum Glück konnte ich ihn zum Anhalten bewegen, als die Markthallen, ehemalige Zeppelinhallen, in Sicht kamen.Die Fahrt kostete 5 Euro. Wir durchstreiften die riesigen Hallen, in denen Fleisch, Fisch, Käse, Gemüse und Obst auf das Appetitlichste angeboten wurde. Rundherum buhlten die unterschiedlichsten Stände um die Gunst der zahlreichen Kunden: Kleidung, Taschen, Früchte, Filzwaren, der reinste "Polenmarkt", bunt und lebendig. Wir haben es genossen. Schnell noch ein paar Souvenirs unter anderem den berühmten Balsam, einen Kräuterschnaps. Dann zurück zum Platz, wo seltsame Dinge vorgingen. Man demontierte alle möglichen Dinge, unter anderem einen riesigen Pavillon, der es Zeltern ermöglichte, geschützt zu sitzen und zu essen. Des Rätsels Lösung: am Abend zog ein gewaltiger Sturm auf, der uns am anderen Morgen zahlreiche Bäume auf der Staße bescherte.
Der 18.6.begleitete uns noch eine Menge Wind. Die Straße nach Tallinn lief aber die meiste Zeig geschützt durch waldiges Gebiet. Uns hätte höchstens ein Baum aufs Dach fallen können. Aber wir hatten Glück. Der Verkehr wurde weniger, die Staße führte in der Nähe des Strandes nach Norden. Das Meer sah man aber so gut wie nie, weil es den Küstenwald gibt.
ca. 300 Kilometer später erreichen wir Tallinn, leider im Regen. Unser CP Pirita liegt außerhalb im Yachthafen von Pirita. Dieser Standort war 1980 Schauplatz der Segelwettbewerbe von den Olympischen Spielen in Moskau. Inzwischen haben die privaten Yachtbesitzer von Tallinn die Liegeplätze übernommen. Aus den Unterkünften ist ein Hotel geworden. Die Womos stehen praktisch direkt an der Kaikante. Gut, es gibt Strom, aber die Sanitärsituation ist traurig. Im Grunde bezahlt man 20 Euro für Strom und Bewachung. Duschen kostet ohnehin extra. Man kann durchaus auf dem Parkplatz davor stehen, die Duschen sind vor der Schranke, das Geld (WC ist auch da) kommt in die Tür.
Zum Yachthafen gehört ein kleines Restaurant, wo man Pizza und Hamburger bekommt. Ein Supermarkt ist fußläufig zu erreichen.
Es regnet.
Am nächsten Morgen regnet es immer noch. Zuerst trifft uns die Nachricht: Die Toilette funktioniert nicht mehr, der Hebel, der den Inhalt der Schüssel in den Fäkaltank befördert, ist kaputt. Vertrauend auf meinen Status als alte Frau gehe ich von Womo zu Womo, bis ich eine kundige mitfühlende Seele finde. Leider lässt sich keine Abhilfe schaffen. Dank Wlan und Handy finden wir aber eine Werkstatt in Tallinn, die wir am nächsten Morgen aufsuchen wollen.
So machen wir uns, ausgerüstet mit Regenjacke und stabilem Schuhzeug (Kopfsteinpflaster) per Taxi auf in die Innenstadt. Wir lassen uns in die Oberstadt bringen, wo wir zuerst die Russisch Ortohdoxe Kirche besuchen, die uns angemessen beeindruckt.Inmitten von gefühlten tausenden Kreuzfahrern erobern wir die Oberstadt, blicken auf die spektakuläre Aussicht und stolpern dann die schmale Gasse in die Unterstadt hinunter, wo wir die alten hanseatische Gebäude bewundern und das jahrhundertealte Rathaus. Leider spuckte uns ein übervoller Finne zur Begrüßung sein Bier vor die Füße. War ja nicht schlimm, es regnete ja. Und er war nicht der einzige. Gerade am Wochenende ist Tallinn immer ein Ziel für die trinkfreudigen Finnen.
Tallinn kann man sehr gut zu Fuß erobern, alles ist in fußläufiger Entfernung. Ein Tipp ist der "Wollmarkt" an der Stadtmauer. Hier werden die Strickwaren verkauft, die die älteren Frauen zur Aufstockung ihrer Rente in den Dörfern herstellen. Große Auswahl, gute Preise. Und man gibt sich Mühe, Englisch zu sprechen. Dort gehe ich nie ohne ein Stück fort.
Noch einen Kaffee im Peppersack, einer angesagten Lokalität, sehr schön. Das Essen in der "Ole Hanse" haben wir uns vekniffen. Da ist es uns zu teuer, wenn auch das Wikingeressen sicher lustig ist.
Abends zum Glück schönes Wetter. Der Hund freut sich über einen ausgiebigen Spaziergang. Wir genießen den Blick auf die Stadt.
Am anderen Morgen (20.6.)führt uns "Frau Müller" zu der Werkstatt, die sich unserer Toilette annehmen soll. In einem Gewerbegebiet finden wir eine blitzsaubere Firma, die mit Wohnwagen und Womos handelt, dazu Campingartikel. Ein gut Englisch sprechender Mann schaut sich das Problem an und löst es sofort und kundig. Sehr freundlich und hilfsbereit. Wir zahlen freudig 19 € und fahren zum Hafen von Tallinn.
Dort erwartet uns ein Phänomen, das ich so noch nicht erlebt habe: Tausende Menschen bewegen sich von und zu den Schiffen. Jede Stunde legt ein Schiff ab, zum Teil farbenfroh, wie nie gesehen. Im Hafengelände zahlreiche Shops mit billigen Textilien und anderem Tand. Alles gut besucht. Dazu Restaurants, Cafes und Imbisse. Es ist, wie man so sagt, der Bär los. Wir checken ein und stehen bald vor dem Schiff. Ein gestrenger Mann kontrolliert, ob ich auch wirklich das Gas abgedreht habe. Dann düfen wir an Bord. Vor uns haben hunderte Passagiere über die langen Gangways das Schiff geentert. Auf dem Schiff empfängt uns eine Riesenparty. Disko, Tanz, Chillareas. Alle Leute fröhlich und in jedem Stadium der Trunkenheit. Nach dem Ablegen werden die Shops gestürmt. 10 Paletten Bier pro Passagier ist der Schnitt, die Damen tragen Container mit Wein. Des Rätsels Lösung: Das Preisgefälle der Alkoholpreise ist zwischen Finnland und Estland enorm. Man darf 110 Liter Bier mitnehmen. Mitsommer steht bevor und so nutzen die Finnen die Gelegenheit, einen Tagesausflug nach Tallinn zu machen. So viel Bier wie trag- oder rollbar, der Alkohol im Bauch ist zollfrei! Wir verabschieden uns diskret ins Restaurant, wo man friedlich und ruhig sitzt und speist. Unsere Weinvorräte sind längst in Deutschland verstaut.
Gegen 21Uhr kommen wir in Helsinki an. Ausnahmsweise werden wir auf einem Parkplatz im Zentrum Helsinkis übernachten am Kauppatori (Marktplatz) direkt am Hafen. gibt es einen gebührenpflichtigen Parkplatz, der von 21 Uhr abends bis 9 Uhr morgens frei ist. Wir standen ganz allein dort, es legte bald 30 Meter von uns entfent ein Schnellboot der Marine an. Wir fühlten uns gut bewacht. Es gab sogar ein WC. Morgens öffnete das Fährterminal der Schnellfähre nach Tallinn, da konnte man auch zur Toilette.
Abends unternahmen wir bei schönstem Wetter noch einen ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt. Die Sehenwürdigkeiten liegen alle fußläufig.
Am 21.6. verließen wir Helsinki bei Sonne Richtung Turku. Das sind nur 180 km. Unterwegs erkundeteen wir noch den ein oder anderen See am Rande der Autobahn. Gegen Mittag kamen wir in Turku an. Wir hatten bis abends Zeit. Am Ufer des Aurajoki parkten wir beim Meeremuseum, wo wir die Gegend erkundeten. Nach 40 Jahren musste ich feststellen, wie sehr sich die Stadt entwickelt hatte. Ich entdeckte unter den Museumsschiffen eine Fähre, mit der wir einst eine spektakuläre Schärenfahrt mit teils geöffneten Luken unternommen hatten. Eine schöne Erinnerung.
Noch schnell getankt und schließlich eingecheckt. Die Fähre fuhr um 21 Uhr. Auf den Alandinseln sollten wir nachts um 1 Uhr ankommen. Der Platz füllte sich mit Fahrzeugen, denn die Fähre fuhr weiter nach Stockholm.
Das Schiff kam an, eine Unmenge von Menschen und Fahrzeugen fuhr herunter. Dann begann das Laden. Staunend beobachteten wir, wie Gigaliner, LKWs, Wohnmobile, Motorräder, Fahrräder und Fußgänger das Schiff füllten.Wir standen und standen. Schließlich waren wir ganz allein noch auf dem Kai.
Endlich kam der Ladeoffizier zu uns und teilte uns mit, wir seien das einzige Womo für die Alandinseln. Darum mussten wir als letzte auf das Schiff, und das rückwärts. Drei (!!!) Männer beobachteten mit Argusaugen mein Manöver. Grinsend fuhr ich an Bord. Kein Problem, war Platz genug!
Die "Viking Grace" war ein wunderschönes Schiff. Vier Jahre alt, mit Gasturbinenantrieb. Lief sanft und weich durch die Schären. Ich war begeistert. Nach einer Stunde rief man mich an die Rezeption, ich solle meinen Hund vom Autodeck holen. Der Offizier fuhr mit mir hinunter und schloss das Autodeck auf. Ich war froh, den Hund heraufholen zu können. Anderswo durften wir das Tier nicht mit nach oben nehmen. Jasper freute sich auch. Auf die Frage danach, woher sie wussten, dass der Hund im Aut saß, antwortete der Mann, sie hätten ihn bei einem Kontrollgang gesehen, wie er am Steuer gesessen habe.
Um 1 Uhr nachts erreichten wir Langnäs, einen kleinen Hafen auf den Alandinseln. Da war nichts los. Wir verließen das Schiff und fuhren auf den Parkplatz, keine 100 Meter weiter. Dort stand schon ein Wohnmobil. Beruhigend. Wir krochen ins Bett, dunkel wurde es ohnehin nicht mehr.
geschrieben am: 23-07-2016
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gunda Re:Reisebericht Ostsee rund - über Polen, das Baltikum, Finnland zu den Aland Inseln. Durch Schweden zurück

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Am 23.6. wachen wir bei strahlendem Sonnenschein auf. Endlich auf den Alsndinseln!
Häufig bin ich daran vorbei gefahren, habe den ein oder anderen Zwischenstop in Mariehamn eingelegt, aber was dahinter steckt, war mir verborgen geblieben. Das soll nun anders werden. 28 ooo Menschen auf 7300 Inseln, die Hälfte in Mariehamn. Das verspricht viel Natur und Ruhe. Die Alandinseln sind etwas Besonderes. Sie gehören nominell zu Finnland, haben aber eine eigene Fahne, ein eigenes Parlament. Sie sind entmilitarisiert und es wird dort schwedisch gesprochen. Man hat dort auch eigene Zollbestimmungen. Mal sehen, was uns dort erwartet.
Der Tag beginnt mit Walderdbeeren, die zahlreich um den Parkplatz wachsen. Das zweite Wohnmobil auf dem Parkplatz entpuppt sich als abgestelltes Fahrzeug ohne Insassen. Wir haben trotzdem gut geschlafen.
Dann machen wir uns auf den Weg zu unserer "Mitsommerstation" im Westen des Inselreiches nach Eckerö, ungefähr 65 Kilometer. Auf den schmalen Straßen ist es ruhig, kaum Menschen zu sehen, man hat das Gefühl, durch Pippi-Langstrumpf-Land zu fahren, die Häuschen muten sehr schwedisch an. Nur um Mariehamn ist mehr Verkehr. Wir fahren beruhigt an einem Einkaufszentrum vorbei. Wir sind gerüstet, haben alles dabei, Sprit genug, nur frisches Brot fehlt noch, aber das wird es im Dorf Eckerö ja wohl geben.Auf dem CP Kärungssund Camping bekommen wir einen schönen Platz, um uns herum viele schwedische Dauercamper. Auf der Frage nach Brot aus dem Dorfladen, bekommen wir die Antwort, Eckerö sei kein Dorf, Laden Fehlanzeige, der Kiosk auf dem CP noch nicht ausgestattet, also 15 Kilometer zu "Hugo", wo ein gut ausgestatteter Dorfshop uns erwartet. Jetzt schlagen wir zu. Das soll uns nicht wieder passieren. 4 Tage vor Ort, also keine Mangelerscheinungen bitte. Wieder auf dem Platz, es ist Mittwoch wohlgemerkt, stellen wir fest, dass die Mitsommerfeierlichkeiten längst begonnen haben. Rundherum wird dauerhaft Bier getrunken. In der prallen Sonne sitzen die Menschen in Gruppen beisammen und versuchen, dem Bestand an Bier und Schnaps zu Leibe zu rücken. Niemand geht bei uns vorbei, ohne eine Bierdose in der Hand zu halten, ob auf dem Weg zum Strand, in die Küche oder zur Toilette. Dabei alles friedlich. Wir sind fasziniert! Um die Kinder kann man sich natürlich nicht kümmern, sie tollen herum und genießen die Freiheit bis in die späten Abendstunden. Die Sitte, vor jedem Schnaps ein kurzes Liedchen zu singen, ermöglicht es uns, die Anzahl der genossenen "Kurzen" mit zu zählen. Eine schwedische Nachbarin bedauerte uns ob der fehlenden Nachtruhe, unsere Beteuerungen, das störe uns nicht, ließen sie strahlend abziehen. Forthin wurden wir immerzu mit freundlichem "Hej" begrüßt, wenn wer vorbeilief.

Das sollte sich auch am 23.6. so fortsetzen, von morgens bis abends. Die Geschwindigkeit des Alkoholkonsums ließ allerdings spürbar nach. Wir genossen die Spaziergänge mit dem Hund an der Küste entlang über die Schären, zu den alten Fischerhütten, zum Jagd-und Fischmuseum und zum Fährhafen mit der alten Poststation. Mit dem Fahrrad war es alles nicht weit. Die Postroute von Stockholm nach Helsinki und weiter nach Sankt Petersburg führte über die Alandinseln und ist heute sozusagen ein Fernwanderweg.Jasper allerdings protestiert lautstark in seinem Fahrradanhänger über den Freiheitsentzug.

Der 24.6. ist der Mitsommertag. Auf dem CP geht es weiter wie gehabt, wir haben allerdings herausgefunden, dass im Dorf, welches ja keines ist, ein Mitsommerbaum aufgestellt werden soll. Wir radeln Nachmittags hin. Es scheint das Ereignis für die Einwohner zu sein. Sie haben sich um die ca. 20 Meter
hohe Stange versammelt, die in den vergangenen Tagen von den Frauen, nach strengen Regeln, geschmückt worden ist. Ungefähr 20 Männer bemühen sich, mit zu Gabeln gebundenen Baumstämmchen, den Mitsommerbaum in die Senkrechte zu bekommen, unterstützt durch zwei Männer an einer Winde. Das Ganze leitete ein Mann, der offensichtlich die Übersicht hatte und besonnen Anweisungen gab. Das Ganze zog sich über Stunden hin, war interessant. Getrunken wurde dabei nur mäßig von den Zuschauern. Als der Baum unter heftigem Beifall aufgerichtet war, zogen sich die Einwohner zu privaten Feiern zurück. Tänze um den Baum bzw. Volksfest bei demselben war Fehlanzeige, so nicht üblich auf den Alandinseln.
Wir nutzten die Tage auf dem CP auch zu Fahrten "bis ans Ende der Welt", so nannten wir es, wenn wir so weit fuhren, bis es nicht weiter ging. Da kam dann eine kleine Wendeschleife und immer ein spektakulärer Blick auf das Wasser. Dass dort in der Gegend auch Menschen wohnten, zeigten nur die zahlreichen Briefkästen an.

Der 25. 6. beschert uns wieder einen sonnigen Tag. Morgens ergatterte Heidi im Kiosk ein Paket Saunawürste, denen wir mittags per Grill zu Leibe rückten. Der günstige Preis hätte uns stutzig machen sollen. Vermutlich waren sie nur betüdelt zu genießen, wir entsorgten sie diskret und gönnten uns ein wunderschönes Abendessen in einem kleinen Restaurant am Hafen mit einem herrlichen Ausblick. Staunend beobachteten wir auf dem Weg zum CP, wie junge Leute die Wege abschritten und und leere Bierdosen am Wegesrand aufsammelten. Ob es Pfand dafür gab?

Am Sonntag, den 26.6. machten wir uns auf den Weg in den Osten der Inselwelt. Zuerst fuhren wir Richtung Geta, einem Küstenabschnitt im Norden mit herrlicher Schärenküste. Wir durften an den Straßenbauarbeiten partizipieen, die uns eine beachtliche rote Staubschicht am Hinterteil des Fahrzeugs und auf den Fahrrädern bescherte. Geta ist, wie überall auf den Inseln, ein Eldorado für Kanuten und Kajakfahrer. Es gibt ein wunderschönes Hotel dort mitten in der Natur, aber keinen CP. Stellplätze hätte man finden können, so weit geht hier das Allemanrätten aber nicht, obwohl man wohl nicht weggejagt wird.
Uns führte der Weg weiter nach Osten. Wir wollten auf den CP Prästösund. Der war geschlossen. Also fuhren wir weiter bis zur Fähre. Diese war gelb angestrichen, also kostenlos. Sie brachte uns hinüber nach Vardö. Dort steuerten wir den CP Sandösunds Resort and Camping an. Eingedenk der EM baten wir um einen Platz mit Satellitenempfang. Wir landeten auf einer Wiese mit Wasserblick, bekamen aber sofort den Hinweis, bei Regen doch auf anderes Gelände auszuweichen, da wir sonst möglicherweise versinken würden.
Jasper hatte einen kleinen Unfall, eine Hummel hat ihn gebissen und er war voller Panik. Na, besser eine Hummel als eine Kreuzotter. Er beruhigte sich zum Glück schnell.
Der Platz liegt auf einem Waldgrundstück mit Wiesenanteilen und einem Strand. Viel Platz für alle. Ruhe und traumhafte Paddelbedingungen.
Wir blieben drei Tage und erkundeten die Umgebung, fuhren auch wieder ans "Ende der Welt", dachten an die Kinder, die möglicherweise zwei Fährfahrten auf dem Schulweg bewältigen müssen.

Am 28.6. ging es nach so viel Natur und Ruhe Richtung Inselhauptstadt, nach Mariehamn.Hier handelt es sich um eine quirlige Kleinstadt mit einem Hafen, der sich belebt, sobald eine Fähre kommt. Man kann auch die "Pommern", ein Segelschiff der P-Klasse (Pamir, Passat, Padua) besichtigen. Sie begibt sich sogar noch auf Fahrten. Wir liefen den CP Gröna Udden an, ein Platz am Wasser, mit Sandstrand und Stellplätzen im Wald, ungefähr 2 km von der Stadt entfernt. Diekt am Wasser fanden wir unseren Platz. Die Sonne meinte es gut mit uns. Wir bummelten in die Stadt und zum Hafen, wo gerade nichts los war. Es gibt eine Menge Grün in der Stadt und man kann gut dort herumlaufen.

Den 29.6. nutzten wir tatsächlich zum Shoppen. Mit dem Fahrrad ging es in die Stadt, dort machten wir die Fußgängerzone unsicher, ließen uns vom Ausverkauf inspirieren. Zu verlockend sind die Haushaltswarengeschäfte mit Heimtextilienabteilung. Dort findet immer etwas den Weg in unsere Taschen. Das Design hat es uns angetan, und wenn es nur hübsche Servietten sind.

Am 30.6. brach einer unserer Stühle zusammen. Es musste was Neues her. Wir nutzten den Weg zum Gartenmarkt, um das südliche Gebiet von Mariehamn zu erkunden. Hier wohnen all die "armen" Menschen der Stadt: tolle Häuser mit Blick auf das Meer und die Yacht vorm Haus, toll. Wie es hier wohl im Winter aussieht?

Den letzten Tag auf den Aland-Inseln, den 1.7. nutzten wir noch einmal zu schönen Spaziergängen mit dem Hund und genossen die Ruhe.
Abends war damit Schluss! Ich erhielt eine Email von der Stena- line, die mich zu meiner Fahrt von Rügen nach Trelleborg am 5. Juli herzlich willkommen hieß. Wie nett von den Leuten! Plötzlich traf mich der Schlag! Von Rügen nach Trelleborg? Ich wollte doch anders herum!! Tatsächlich, falsch gebucht. Da wurden wir schnell. Dank Wlan und Smartphone konnten wir tatsächlich noch umbuchen von Trelleborg nach Rostock - uns fiel ein Stein vom Herzen, denn Trelleborg - Mukran war auf Tage hinaus ausgebucht.

Am Samstag, den 2.7. machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Es sollte hinüber nach Schweden gehen. Wir waren gespannt auf die Fähre der Viking-Line, die sagenhafte 36€ kostete. Wir hatten schon befürchtet, wir müssten nebenher schwimmen, aber es hatte alles seine Richtigkeit. Nach 2 einhalb Stunden waren wir in Kapellskär nördlich von Stockholm und rauschten auf der Autobahn durch Stockholm. Im Tunnel unter der Stadt überraschten uns Kunstobjekte, die ich leider nicht würdigen konnte, weil die dreispurige Straße mit sehr zügigem Verkehr rechts und links an mir vorbei mich ziemlich forderte. Schließlich übernachteten wir auf dem CP Strandstuvikens in Nyköbing. Die Uhren stehen wieder auf MEZ.Leider regnete es immerzu mal wieder.

Weiter ging es am 3.7. nach Süden. Sonne und Regen. Das Fahren auf schwedischen Autobahnen ist stressfrei. Beglückt sahen wir einen Elch über eine Wiese stapfen. Unsere Nachtpause legten wir in Värnamo auf dem CP Värnamo ein. Das Städtchen hinterließ keine gewaltigen Eindrücke.

Am 4.7. machten wir uns auf die vorletzte Etappe nach Trelleborg. 275 km auf schwedischer Autobahn waren angenehm, nur die dicken Regenschauer störten etwas. In Trelleborg nisteten wir uns auf dem CP Dalabadets Camping ein, am Strand, mit Blick auf den Fährhafen in der Ferne. Nachmittags erkundeten wir etwas illegal den Strand mit Hund, was in Schweden im Sommer bekanntermaßen verboten ist. Waren aber keine anderen Leute da, weshalb wir niemanden störten. Der Abend bescherte uns ein spektatkuläres Wolkenbild.

Am nächssten Morgen, dem 5. Juli machten wir uns auf den Weg nach Hause. Früh zur Fähre, einen Platz im Windschatten gesucht und stundenlang an der Reling gesessen und die Sonne genossen. Gegen 15 Uhr waren wir in Warnemünde und steuerten unser Zuhause an. Es empfingen uns Wolken und ein mittelschweres Gewitter.
Eine schöne Reise ging zu Ende.
Man hätte diese Fahrt sicher ganz anders mit Inhalten füllen können, auf dem Weg durch das Baltikum haben wir viele Höhepunkte links liegen lassen, weil wir zeitlich begrenzt waren. Aber die Reise hatte auch hier ihre Höhepunkte (Riga und Tallinn), und die Landschaft vermittelte doch viele Eindrücke. Unsicehr haben wir uns nirgendwo gefühlt. Terrorismus brauchten wir nicht zu fürchten. Die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Man spricht zunehmend Englisch, leider sind Hinweisschilder noch nicht zweisprachig, bei den Landessprachen dort doch wenig hilfreich.
Kürzer wäre der Weg zu den Alandinseln über Schweden gewesen, zumal die Fähre zwischen Kapellskär und Mariehamn wirklich preiswert ist. Aber ich wollte unbedingt nach Tallinn. Die Inseln sind nicht spektakulär, aber wer Ruhe und unberührte Natur erleben möchte, ist hier richtig. Man kann sich eine Insel suchen, die man mit gemietetem Boot schnell erreicht und den ganzen Tag allein bestzt hält.Man kann wandern und Rad fahren, angeln, auch schwimmen. Wir waren begeistert.

geschrieben am: 24-07-2016
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hunter Re:Reisebericht Ostsee rund - über Polen, das Baltikum, Finnland zu den Aland Inseln. Durch Schweden zurück

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Hallo Gunda,
danke für deine lebendigen Schilderung Eurer Erfahrungen. Schade, dass es mit den Bildern nicht so, wie Du es Dir gewünscht hättest, geklappt hat. Aber vielleicht versuchst Du es ja doch noch mal bei der Eingabe der Campigplätze in die Datenbank und setzt dort dann die Bilder dazu .

Herzliche Campergrüße
Eberhard aus Luxembourg
geschrieben am: 24-07-2016
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353960,3
garibaldi Re:Reisebericht Ostsee rund - über Polen, das Baltikum, Finnland zu den Aland Inseln. Durch Schweden zurück
MODERATOR
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Ein schöner, lebendiger Bericht, dafür herzlichen Dank! Schade, dass Du das mit den Bildern nicht hingekriegt hast, sind bestimmt traumhafte Aufnahmen dabei. Den Hinweis von Eberhard «Campingplätze eingeben» möchte ich auch noch mal unterstützen. 2 Plätze, der CP Sandösunds Resort and Camping und der CP Strandstuvikens bei Nyköbing fehlen noch in unserem Poiwalk. Also nichts wie ran, gibt schließlich viele Punkte!
Schönen Gruß
Cornelius

Der Weg ist das Ziel.
Kunst ist, das Schöne in den Dingen zu sehen.
Liberté - Egalité - Fraternité !!!
geschrieben am: 25-07-2016
| Zitat | Antwort |
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