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Schottland Reisebericht
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Schottland Reisebericht
Hallo!
Wen es interessiert, hier mal unser Reisebericht der Schottlandtour mit einigen Fotos. Mehr Fotos wird es in den nächsten Wochen in den POI´s und Galerien geben.
Viel Spaß!


Tag 1 (Montag): Abfahrt und Fähre
Abfahrt war heute ziemlich früh, schon um 06:30 Uhr.
In einem großen Rutsch ging es über Frankreich (1 Stunde Zeitverlust im Stau bei Metz) und Luxemburg nach Zeebrügge/Belgien auf die Fähre. Zu erzählen gibt es nicht viel, außer dass es zwischendurch schwarz wie die Nacht wurde und ein paar heftige Gewitter runter gingen. Zum Glück waren sie immer schnell wieder vorbei.
Die Anlegestelle von P&O-Ferries war gut zu finden, da wir die Koordinaten bereits vorab gesucht und ins Navi eingegeben hatten (Google-Maps sei Dank!) und alles wirklich gut ausgeschildert war.
Die Fahrzeit war gut geschätzt; wir hatten zwar keinen Stress, aber am Pier auch nicht sooo viel Wartezeit wie gedacht. Bereits um 16:00 Uhr begann die Abfertigung durch die Belgische Polizei und gegen 17:30 das Verteilen der Autos auf die Decks durch die Lademeister.
Die Fähre war schön, die Kabine groß und sauber; wir fühlten uns fast wie in einem Luxushotel und waren froh, die 20 Euro extra für eine Außenkabine ausgegeben zu haben (Sonnenuntergang). Zum Glück sind die Betten/Kojen knapp 2 Meter lang, also auch für meine Länge geeignet; das obere Bett musste erst per Leiter erklettert werden.
Nachdem alles verstaut war machten wir uns an die Schiffserkundung. Dabei fand sich ein gut sortierter Whisky-Laden. Da ich die deutschen Preise im Kopf hatte, wurde gleich eingekauft, zumal das Gerücht kursierte, dass Single-Malt-Whiskys nirgends so teuer sein soll wie in seiner Heimat. (Inzwischen wissen wir, dass es richtig ist.) Wir gönnten uns noch eine scheußliche Aufbackpizza im Bistro und einige „Probe-Biere“ der angesteuerten Insel. Zur Entschädigung für die Pizza gab es dann noch einen tollen Sonnenuntergang, bevor wir uns müde ins Bett fallen ließen.
Die Nacht war ruhig, das Wetter gut und man konnte fast glauben, in einem Hotel auf dem Festland zu sein. So brauchte meine Frau die vorsorglich mitgenommenen Medikamente gegen Reiseübelkeit zum Glück nicht.

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29.08.2010|15:49 | stucki | 1
Re:Schottland Reisebericht
Tag 2 (Dienstag): Kilometerfressen bis Kennacraig
Wir standen extra früh auf (06:00 Uhr Kontinentalzeit), um in Ruhe aufstehen, duschen, Kaffeetrinken und den Sonnenaufgang genießen zu können. Nur hatte dummerweise niemand daran gedacht, dass die Engländer eine Stunde hinten dran sind, also Sonnenaufgang gucken bis zum Frühstück. Soweit klappte auch alles – bis auf den Sonnenaufgang, der leider den Wolken zum Opfer fiel. Nach einem einsamen (weil extrem frühen), dafür erstklassigem Frühstück (alle anderen hatten ihre Uhren wohl alle schon umgestellt) sahen wir uns noch an Deck die Hafeneinfahrt nach Hull an. Hier im Hafen-/Seegebiet ließ sich ungefähr erahnen, woher die weltweite Luftverschmutzung kommt ; -))) Gut eingemummelt schauten wir zu, wie die Fähre anlegte, waren mit die ersten am Auto und hatten so einen völlig entspannten Morgen. Neben unserem Sprudellaster befand sich eine Art Hochrampe, auf der die vielen Motorräder sowie einige kleinere Autos untergebracht waren.
Auschecken ging schnell und schmerzlos und wir machten die ersten Erfahrungen mit dem Linksverkehr. Gleich zu Anfang ein paar Kreisverkehre zum Üben– ist schon seltsam, wenn man links einbiegt und auch so wieder raus fährt! Große Sache, als gefühlter „Geisterfahrer“ so komplett gegen den Verstand auf die Autobahn aufzufahren – meine Frau war wirklich froh, dass sie nicht fahren musste. Trotzdem wird uns dieses seltsame Gefühl wohl noch eine ganze Weile begleiten, von Geisterfahrern umgeben zu sein, besonders wenn es nach einer Landstraßen-Strecke wieder auf die Autobahn geht. Überhaupt muss man sich anfangs recht konzentriert dazu zwingen, links zu fahren. Hin ist sie auf einmal, die Autofahrer-Routine!!!
Ansonsten war die einzige Mammutstrecke, die wir zu bewältigen hatten, recht schnell abgerissen. Wir sahen eher raue Gegenden vor der schottischen Grenze und ziemlich viel Grün dahinter, dazu Schafe und Autos. Vorbei ging es an Carlisle, Glasgow, Loch Lomond, Argyll, Schloß Inveraray bis nach Kennacraig. In Tarbet, einem winzigen Dorf, fand ich meine ersten Fish&Chips - im Nachhinein betrachtet waren es auch die übelsten, aber später ist man ja immer schlauer.
Am Fährschalter von Kennacraig trafen wir gerade so noch die letzten in den Feierabend verschwindenden Mitarbeiter – welche in Glück! Doch dann die große Ernüchterung: Die geplante erste Fähre nach Port Ellen auf Islay am nächsten Morgen wird wohl nicht wie geplant klappen, denn die Fähren fahren ausgerechnet mittwochs anders. Also führte ich per Handy eine längere Buchungs-Diskussion (2 Balken GPRS Netz via Schottland – Deutschland – Schottland) mit einer wenig motivierten Dame (mit gälischem Slang), und wir bekamen unsere Buchung. Leider etwas später (07:45 Uhr statt 06:45 Uhr) und nach Port Askaig am oberen Ende der Insel, was unsere gesamte Planung für die nächsten 2 Tage durcheinander warf. Dank guter Vorbereitung ließ sich die Route umstellen; der einzige wirkliche „Termin“, den wir morgen haben, ist die Ardbeg-Führung um 15:00 Uhr, alles andere muss sich darum herum ordnen. Hoffentlich kommt noch eine weitere in Lagavullin zustande, sonst muss der dortige Shop herhalten. (Ob die ausreichend Trostspender da haben?) ; -)))
Heute kam der Trost in Form eines guten Stellplatzes direkt an der Fähre. Mit Blick auf Loch Tarbert und geschlossenen Fenstern und Türen - von wegen Mücken und so, die hier „Mitges“ heißen. Am Loch-Lomond haben wir die ersten Erfahrungen mit ihnen machen müssen, die blinden Passagiere aber gleich erledigt. Apropos Loch Lomond: Der See war riesig und tatsächlich sehr schön, aber leider komplett touristisch überlaufen und vermarktet. Wir kamen uns ein wenig wie in Disney Land vor und haben uns schöne abgelegene Stellen gesucht. So blieb es bei einigen schönen Fotos und tollen Stellen zum genießen.
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29.08.2010|16:04 | stucki | 2
Re:Schottland Reisebericht
Tag 3 (Mittwoch): Islay, Ardbeg & Co
Nach einer ruhigen Nacht war er endlich da, der große Tag! Wir hatten uns aus verschiedenen Gründen darauf gefreut: Ich wegen der vielen Destillen (eine neben der anderen) und der rauen, unberührten Natur - und meine Frau, weil die Insel typisch schottisch und zudem nicht so überlaufen sein soll.
Doch zunächst gab es eine weitere Überraschung: Unser Bus war in der Abendsitzung am Handy „nur“ als PKW gebucht worden. Also wieder rein ins Office der Fährgesellschaft und die Sache regeln. Hatte mich schon über den günstigen Preis gefreut, so kamen aber doch rund 200, - Pfund zusammen. Eine Menge Stoff für zwei Tage Spaß, aber manche Dinge müssen eben sein. Dann ging es los: Wind im Gesicht und unerklärliches Gälisch in den Ohren. Zunächst eine Besichtigungstour über Deck, auf dem zwei „pfundige“ Jungs fortgeschrittenen Alters (die aber die sprichwörtliche schottische Gelassenheit versprühen) ihre Arbeit machten, dann weiter zum Frühstück. Typisch schottisch, hieß es, mit Speck, Ei, baked Beans, black pudding (Panhas) und sonstigen Gaben, gekrönt von einer gebackenen Tomate, Toast, Rösti, Pfannkuchen - Lecker!!! Wie sich herausstellte, hat die Portion gut bis abends gehalten.
Die Überfahrt dauerte knapp 2 Stunden, dann kam das, was wir uns eigentlich unter Schottland vorgestellt hatten: Raues, karges Land, in dem die Schotten die Quoten-Bewohner darstellen, denn unter all den Schafen und Rindern fallen sie kaum ins Gewicht. Wir sahen schöne Buchten, kleine Häuschen und malerische Dörfer, und haben im Radio echt alt klingenden gallischen Weisen gelauscht. (Ist eigentlich nix anderes als hierzulande Folklore durch den MGV). Urig eben. Ganz zu schweigen von dem ewigen April-Wetter: Kaum hat sich die Psyche mit dem Regen abgefunden, ist er schon wieder vorbei und die Sonne lacht. Aber auch die ist nicht von Dauer...
Dann endlich die erste Destille mit bekanntem Namen: Lagavulin. Trotz anders lautender Vorsätze gab es doch noch ein Mitbringsel für die Nacht (wer kann schon durch Schottland fahren und abends Wein oder Bier trinken?), danach die erste Führung. Da meiner Frau eine Führung reicht und wir bereits in Ardbeg angemeldet waren, habe ich mich alleine vergnügt und meine Frau stattdessen lieber Postkarten und Tagebuch geschrieben.
Die ersten Live-Eindrücke in Sachen Whisky waren wahrlich beeindruckend, und das für alle Sinne.
Angefangen bei den Torf-Feuern zum Trocknen des Malzes, weiter über den Schluck aus dem Gärbottich (Rauchbier mit 8%), der Hitze der Stills im Brennhaus bis zum tollen Fruchtaroma im Raum des Spritsafes (Destillatfang). Und last but not least dem Islay-Slang unseres Guides Paul und der Lagavulin-Probe zum Schluss.
Die Mittagszeit zwischen den beiden Destillen verbrachten wir am Kildalton-Cross, einem keltischen Steinkreuz aus dem 8. Jahrhundert, und einem Vesper auf den Felsen einer Bucht.
In Ardbeg gab es wieder eine Führung - leider ohne Sinneseindrücke, denn die hatten gerade Produktions-Pause (Sanierungsarbeiten am oberen Loch Uigeadail, aus dem sie ihr Brauwasser beziehen). Die Dame, die die Führung hielt, hat aber alles wieder rausgerissen; sie war so mit Leib und Seele dabei, dass wir die Dinge förmlich sehen, hören und sogar riechen konnten. Toll! Und natürlich gab es auch hier eine Kostprobe (meiner Frau schmeckt er trotzdem nicht) und auch wieder ein Mitbringsel für meine Sammlung, diesmal aber nur Hardware.
Anschließend ging es nach Port Charlotte und dem dortigen Campingplatz. Offiziell hat er „nur“ 2 Sterne, bekommt von uns aber die Note „sehr gut“. Eigentlich ist das wohl ein Sportheim mit Fußballplatz und Spielplatz für die dortige Jugend, wird aber nebenbei noch an Camper vermietet. Sauber, nett geführt, großzügig – wir waren begeistert. Abends entschieden wir uns trotzdem gegen die Fritten-Küche dort und trabten stattdessen ins Städtchen hinein. In einem Pub gab es einige Biere, eine wenig motivierte Bedienung und ein Fußballspiel Dortmund gegen Manchester. Zufällig. Dortmund hat gewonnen, aber das erklärt auch nicht wirklich, warum die Kellnerin so unfreundlich war. Sonst sind wir aber nur freundlichen, tollen Menschen begegnet.

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29.08.2010|17:22 | stucki | 3
Re:Schottland Reisebericht
Tag 4 (Donnerstag): Islay und zurück
Nach einer stürmischen Nacht erwartete uns zunächst ein schöner Morgen. Der Camping-Chef beklagte sich über das gute Wetter und bemerkte, dass wir uns ruhig darüber freuen dürften, da wir ja Urlaub hätten und nicht arbeiten müssten. Wir überlegten noch, ob wir 15° und wechselhaft als „warm“ und „schönes Wetter“ bezeichnen würden, da kamen uns auch schon die ersten Einheimischen mit kurzen Hosen und T-Shirt entgegen - es ist halt alles eine Sache der Perspektive.
Von Port Charlotte aus ging es nach Kilchoman an den Strand, wo es uns kräftig abduschte. Mit den Schirmen bauten wir vorübergehend eine Wetterburg, bis das Gröbste vorbei war, dann setzten wir den Spaziergang fort. Und tatsächlich, wenig später war das Wetter zunächst akzeptabel und dann wieder schön. So ist Islay.
Vom Strand aus ging es weiter nach Bowmore: Fish & Chips-Shop gesucht (leider erfolglos), Frischwaren im Spar gekauft (und gleich verdrückt), runde Kirche angesehen, eine urige Hafenkneipe gefunden (aber nicht geentert, da Mittagspause) und, zum Abschluss noch die dortige Destille besucht (und wieder eine Kleinigkeit für die Sammlung mitgenommen) – also alles erledigt, was anstand. Dann ging es zurück nach Port Ellen, wo die Fähre gegen 18:00 wartete. Zwischendurch noch ein Geheimtipp: die wirklich wunderschöne Steilküste am Hull of Oa. Langhaarziegen, Wollschafe, wilde zerklüftete Felsküste und jede Menge Natur. Und das bei blauem Himmel und Sonne – einfach schön. (Da sag noch einer, dass Schottland nur schlechtes Wetter habe!) Das etwas weiter gelegene amerikanische Monument mit viel Kriegs-Kultur haben wir ausgelassen und uns stattdessen in die Sonne gehockt und den blauen Himmel genossen!
Nun sitzen wir hier am Hafen und warten auf unsere Fähre. Ob die abends wohl auch so ein tolles Essen anbieten wie morgens? Diesmal wollen wir uns ein Bier dazu gönnen, da wir hinterher nicht mehr fahren sondern wie vorgestern an der Anlegestelle übernachten wollen.
Nachtrag: Oh ja, hatten sie. Für mich Fish & Chips, für meine Frau Käse-Nudeln und Chips. Danach ein geniales Islay-Bier, das aussah wie Sirup, schmeckte wie Torf und arg an die Insel erinnerte. Am Abend dann noch eine kleine Whisky-Probe in unserem schon bekannten Lager am Fährhafen, und die Nacht konnte kommen.


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30.08.2010|12:21 | stucki | 4
Re:Schottland Reisebericht
seeehr schön und für uns interessant, da das UK für 2011 in unsren köpfen spukt... aber davor haben die gesetzesleute den titer für luna gesetzt... mal sehen, ob wir das im herbst angehen..

macht schon laune, das mal selbst zu er"fahren" nur das schottische frühstück werden wir dankend ablehnen


Grüsse von Karin
meinwomo zeigt dir immer den passenden Platz
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30.08.2010|16:29 | womo66 | 5
Re:Schottland Reisebericht
Tag 5 (Freitag) – Highlands
Mit bangem Erwarten sahen wir dem Tag entgegen, der uns endlich in die Highlands bringen sollte. Ob das wettermäßig wohl noch etwas werden würde? Zunächst sah es ja nicht danach aus und so sahen wir etwas verregnete Gegenden und Landschaften an, die uns irgendwie bekannt vorkamen: Tirol (stellenweise sah es aus wie in Kühtai), Schwarzwald-Hochstraße (rund um Glen Coe) und später sogar noch Titisee (Fort William), aber dazu komme ich später.
Wir nutzten den verregneten Vormittag zum Fahren, da wir wieder ein ganzes Stück zurück mussten und die Strecke schon kannten: von Kennacraig aus über Clifton durch das Glen-Coe-Tal nach Fort William. Dabei sahen wir Parkplätze (voller Japaner und Dudelsackspieler), Berge (die wegen der tiefen Wolken als solche nicht zu erkennen waren), nasse Wanderer und Radfahrer, denen bei dem Wetter sichtlich die mentale Stärke fehlte ; -)))
Wir ließen uns die Laune nicht verderben und streiften trotz der vielen Mücken/Mitches durch ein besonders schönes Stück Hochmoor. Quatschende Füße (wie gut, dass es Gore-TEX-Schuhe gibt!) und jede Menge Autan verhinderten eine Katastrophe und so wurden wir mit einem gigantischen Panorama belohnt. Totenstille, ein einsames Plätzchen am See, um uns herum fast nur Heidekraut und Mücken und vor uns ein traumhaftes Stückchen Land abseits der Touristenroute. War das schön!!!
Trotzdem war die Begegnung mit den Highlands irgendwie ernüchternd. Ich hatte von früher her andere Erinnerungen (da war ich rund dreißig Jahre jünger und das Wetter gigantisch schön) und meiner Frau fehlte irgendwie das Unheimliche, das zu den Werwölfen gehört. Aber die haben sicher nicht an Vermarktung in solchem Stil gedacht...

In Fort Wiliam schließlich erreichte der Nepp seinen Höhepunkt. Whisky ist hier locker doppelt so teuer wie auf dem Schiff, ansonsten erinnert die Stadt arg an Titisee im Hochsommer. Dem entsprechend vorsichtig gingen wir mit unseren Pfund um. Die „Royal Bank of Schottland“ konnte schließlich den 100-er Schein wechseln und wir etwas essen. (Traditional Fish & Chips bzw. eine dicke gebackene Kartoffel mit Käse). Ein erstes Mitbringsel für unsere Tochter war auch schnell gefunden und so machten wir uns nach 3 Stunden wieder davon in Richtung Ben Nevis, wo wir schon von Zuhause aus den passenden Campingplatz gefunden hatten. 8, 50 Pfund pro Person und Nacht, das war echt wenig. Toll gelegen, sauber, nicht so voll - und vor allem direkt am Beginn der Route gelegen, die wir uns für die Bergbesteigung morgen vorgenommen hatten. Ob wir es wirklich angehen würden, hing vom Wetter ab, aber im Moment waren wir guter Dinge. Und falls nicht – nun, dann gab es ja noch den Ausweichplan rund um den Berg. Dem Wetter ist hier eh nicht zu trauen: Bisher fing es immer mäßig an, begann dann im Laufe des Vormittags/Mittags zu regnen und wurde später richtig schön - wir hofften also für den nächsten Tag das Beste.
Am Abend saß neben uns eine italienische Familie im strömenden Regen vor ihrem California und haute sich bei dem Wetter das Abendessen rein – RESPEKT!


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30.08.2010|16:58 | stucki | 6
Re:Schottland Reisebericht
Tag 6 (Samstag): Ben Nevis
Schottland liebt uns! Anders kann ich mir das nicht erklären: Erst die beiden genialen Tage auf Islay, dann die Regenpause in den Highlands, die uns die grandiose Pause am See erlaubte, und nun das: Eine wirklich geniale Tour auf Britanniens höchsten Berg, bei blauem Himmel schon am Morgen.
Zugegeben, „höchster Berg“ hat hier einen anderen Stellenwert als in den Alpen: 1344 Meter, wobei der Aufstieg auf Meereshöhe beginnt. Aber die Tour war trotzdem klasse. Gestern hatte man uns am Ben Nevis Visitor-Center noch gewarnt, nicht vor 10:00 Uhr loszuziehen und abzubrechen, falls es regnete (war sogar bei Wetter-Online angesagt) und man im oberen Drittel die Steinmännle als Orientierung nicht mehr sehen kann (vor lauter Nebel nämlich). Und was war? Eine knappe halbe Stunde Wolken, dann brach es auf und wir hatten Sonne und Wärme auf dem Gipfel!
Der Abstieg war nicht ganz so prickelnd: (Verletzungsbedingt) untrainiert, wie wir gerade waren, gab es bald erste Verschleißerscheinungen (ich hatte mit Krämpfen zu tun und meine Frau mit Wackelknien), aber letztlich ging doch alles gut. Zum Abschluss dann zwei Pint (für jeden!!) mit Ale im „Ben Nevis Inn“ und dann gaaaanz entspannt zurück auf den Campingplatz. Zugegeben: Wir hätten hier im „Ben Nevis Inn“ ewig sitzen und noch viel Ale trinken könne, aber leider fehlte der Sherpa, der den Bus geholt hätte...
Nun sitzen wir hier beim dritten Pint (jetzt aber aus der Flasche, ganz zivilisiert, frisch geduscht und todmüde vor dem Bus), führen Tagebuch und sortieren Fotos. Morgen ist auch noch ein Tag und dann geht es auf die Isle of Skye. Wenn Schottland uns immer noch liebt, müssten die nächsten Tage gigantisch werden...
In diesem Sinne: Cheers!

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30.08.2010|17:20 | stucki | 7
Re:Schottland Reisebericht
Tag 7 (Sonntag): Isle of Skye / Teil 1
Der Tag startete traumhaft mit Sonne, blitzeblauem Himmel – und Muskelkater, aber das war ja auch nicht anders zu erwarten. Dem entsprechend wurde einvernehmlich beschlossen, heute keine großen Wanderungen in den Highlands oder sonstigen schönen Plätzen mehr einzuplanen sondern es bei kleineren Besuchen zu belassen.
Nach dem Frühstück (und der Chemieklo-Leerung – was sein muss, muss sein) ging es weiter in Richtung Nord-West, vorbei am Loch Lochy (liegt kurz vor Loch Ness, aber das kommt später). Erneut gab es Highlands (was wollen nur all die Touristen hier?), lebensmüde Motorradfahrer und Natur pur. Es gab „richtige“ Berge, die an Österreich erinnerten, nur dass die Spitzen hier rund sind (wie in Norwegen) und nicht so hoch. Das Heidekraut blühte und die Mitches stachen, was das Zeug hält.
Mittags dann ein Stopp an der Burg Eilean Donan Castle, in welcher vor Jahren Teile des Highlander- Filmes gedreht wurden. Hat dem Bekanntheitsgrad sicher nicht geschadet – und dem Eintrittspreis auch nicht, der mit 5, 50 Pfund erfreulich niedrig ausfiel. Spannend, wie die so vor 100 Jahren noch gelebt haben! Es waren auch originale Dudelsäcke, Schwerter und – natürlich – Kilts ausgestellt. Und Malereien von Schotten mit Röcken/Kilts im Krieg – im Winter. Brrr!
Nach einer Hausmacher-Burger-Pause ging es weiter über die Kylelochalsh-Bridge auf die Insel Skye. Dank unserer Erlebnisse auf Islay sowie der Versprechungen unserer Reiseführer (die Skye allgemein als „schönste Insel Schottlands“ führten) waren unsere Erwartungen ziemlich hoch geschraubt. Zunächst waren wir dann auch dem entsprechend enttäuscht, denn zumindest im unteren Teil sah es auf Skye aus wie zuvor, nur touristisch völlig erschlossen (sprich: überlaufen). Die Krönung schließlich war die Insel-Hauptstadt Portree, die mal wieder stark an Titisee erinnerte. (Nicht wirklich natürlich, aber vom Rummel her.) Was will man auch erwarten an einem sonnigen Sonntagnachmittag in den Sommerferien? Eben!
Von da an wurde es aber besser. Wir arbeiteten uns in den Norden der Insel vor (Trotternish), vorbei am Berg Storr und dem Felsvorsprung, der ihm sein geheimnisvolles Aussehen gibt (Old Mans Storr). Die Straße dorthin, eine wunderschöne Küstenstraße mit endlosen Ausblicken auf zerklüftete Buchten, ferne Bergmassive und unterschiedliche Landschaften, bestand weitgehend aus Single-Trails und entschädigte für Vieles.
Noch weiter nördlich kam der Wasserfall am Killt Rock – und wieder einmal das Niagara-Syndrom. Will heißen: Die Dinge, die es in den Baedeker und Co schaffen, sind selten so beeindruckend wie angekündigt. Und „allein“, „romantisch“ oder gar „idyllisch“ sind Vokabeln, die da einfach nicht hin gehören. (Es sei denn, man findet einen Bus voller Chinesen, die ihre Pommes vor dem Essen einzeln mit der Serviette abtupfen, idyllisch). Trotzdem war der Platz schön und wir beschlossen, hier unser Nachtlager aufzuschlagen, zumal wir auf den Wegen dahin kaum einen Platz gesehen hatten, auf dem frei stehen denkbar gewesen wäre (Sumpf, Hanglage oder „No overnight-parking“). Nun sind wir gespannt, was kommt – eine Nacht in den Highlands, allein bei Regen und Sturm und Meeresrauschen...

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30.08.2010|17:59 | stucki | 8
Re:Schottland Reisebericht
Tag 8 (Montag): Isle of Skye II
Die Nacht war laut – trommelnder Regen und Sturm. Außer uns hatte spät abends noch ein Engländer angedockt und übernachtet – im Golf! Respekt! Pünktlich zum Frühstück wurden Regen und Sturm weniger. Als die ersten Besucher kamen, zogen wir los. Zuerst ging es durch Staffin und dann, scheinbar querfeldein, immer der Straße nach. Ein kurzer Stopp im Tante-Emma-Laden um frische Vorräte aufzufüllen, dann erreichten wir das Freilichtmuseum „Skye Museum of Island Life“ bei Kilmuir. Hier kann man sehen, wie man auf Skye vor etwa 100 Jahren lebte – ganz schön hartes Brot!
Von dort aus ging es weiter an der Westküste der Insel in Richtung Dunvegan Castle, vorbei an der idyllischen Hafenstadt Uig. Dunvegan Castle war gerade eingepackt (fällige Renovierungsarbeiten) und ganz schön aristokratisch. Aber nicht halb so abenteuerlich wie Eilean Donan Castle, außer vielleicht der düsteren Dame mit Schottenrock, die im Innern darauf achtete, dass niemand fotografierte. (Was uns nicht wirklich davon abhielt, aber brav ohne Blitz.) Was der Burg an Charme fehlte, machte der urige Garten wieder wett. Unter anderem enthielt er den Beweis, dass Bier doch im Wald wächst, Guinnes zumindest. Wir haben den breiten Wasserfall gesehen, mit dem es in den Garten strömt. (Und den bösen Zungen die da behaupten, dass das nur Moorwasser sei, glauben wir einfach nicht! Grins!)
Zwischendurch gab es ein eiliges Mittagessen (gebratener Frühstücksspeck mit Toast und Kaffee) auf dem Burg-Parkplatz (der übrigens wie fast alle anderen auch kostenlos ist), dann ging es weiter. Den Leuchtturm am westlichsten Zipfel der Insel (Neist) sparten wir uns – zum einen wegen der noch immer spürbaren Nachwirkungen der Ben Nevis Besteigung in den Beinen, zum anderen weil die Blechmarie das Städtchen nicht finden wollte. Und drittens weil es nicht direkt mit dem Auto zu erreichen war sondern erklettert werden musste – wobei wir wieder bei Punkt eins wären. Zum vierten, weil sich am Horizont dicke graue Gewitterwolken für schottisches Wetter bereit machten. Wir sparten uns also den Leuchtturm und machten Halt an einem 2000 Jahre alten „Hochhaus“, dem Broch Dunbeag bei Brecadale. Gigantisch, was die damals schon an Architektur zustande gebracht haben!
Es sah aus, als würde gleich das nächste Regenband aufmachen, und so retteten wir uns in unser nächstes Ziel, der Hauptstadt Portree. Da wir am Sonntag keinen Fish & Chips Shop gefunden hatten, holten wir das jetzt nach, ergänzt von Hagis (ich wollte ihn wenigstens probieren und muss sagen, dass er wie warme grobe Leberwurst schmeckt) und Waffel mit Eis zum Dessert. Vorher aber gab es einiges zu lachen, denn was wir nicht mehr schafften, bekamen die Möwen. Die hielten ein ziemliches Theater ab, jeder wollte der erste sein und ich brachte mit meinen Chips die ganze schöne Möwen-Hierarchie durcheinander. Haben wir gelacht!
Anschließend ging es wieder 6 Kilometer zurück zu unserem nächsten Schlafquartier in die Pampa. Wir hatten unterwegs einige Holzlager gesehen, an denen es sich gut stehen ließ, und zogen uns dorthin zurück. Nun sitzen wir bei einer Dose Kinder-Lager (2, 5 %) und vollem Ranzen hier und warten darauf, dass es Nacht wird. Gute Nacht!


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01.09.2010|13:48 | stucki | 9
Re:Schottland Reisebericht
Tag 9 (Dienstag): Ullapool
Oh je! Was hatten wir uns nur dabei gedacht...
Nein, die Nacht war es nicht, im Gegenteil: Ein traumhafter Sonnenuntergang samt Regenbogen krönte den Abend und keine unser bisherigen Nächte war stiller gewesen als diese. Aber der nächste Morgen... Die tanzenden Mitches vor den Fenstern verhießen nichts Gutes. So gab es Kaffee und Frühstück im Auto, Vertreterdusche sowie die Suche nach einem Platz, an dem wir wenigstens die Zähne putzen konnten. Was wir mit jeder Menge Pusteln – und so manche Mücken mit dem Leben bezahlten. Kurz darauf trafen wir zwei junge Männer, die sich auf einem Parkplatz zur Wanderung fertig machten und neben der Ganzkörperverhüllung auch noch einen Hut mit eingebautem Mückennetz überzogen (s. Bild) - man muss sich nur zu helfen wissen (unsere Rettung hieß Autan).
Etwas frustriert wegen der ungeplanten Morgenattacke und dem nicht berauschenden Wetter zogen wir los, wieder zurück nach Portree, von dort aus an der Burg Moir in Kyleakin vorbei und wieder über die Brücke aufs Festland. Von dort aus ging es zunächst wieder ein Stück zurück – bei aufbrechendem Wetter. Unser Wetterglück sollte uns auch heute nicht verlassen, doch davon später.
Das folgende Stückchen Schottland, die obere Westküste, sah wieder ganz anders aus als die Landschaften zuvor: Grün, mit teilweise uraltem Baumbestand (Mammutbäume?), kleinen versteckten Lochs in den Tälern, dann wieder weite Moor-Hochebenen, die wir schon kannten. Teilweise fühlten wir uns an Kanada erinnert, nur dass diese Berge hier rund sind und nicht spitz. Auch hier wechselten sich die Single-Trails mit zweispurigen Straßen ab. Wir konnten vor uns die eine oder andere Regenzelle sehen, aber uns selbst traf es selten und dann nur kurz. Das ging so bis zum Abend und hörte auch in Ullapool, dem nächsten Stopp, nicht auf. Ein genialer Campingplatz direkt an der Wasserkante zum Loch, ein traumhaftes Hafenstädtchen, Fish & Chips in der Bar des Jahres („Chippy“) und zu guter Letzt noch einen Absacker mit Schwarzbier in einer Hafenkneipe – was will man mehr? Zwischendurch besorgten wir noch ein Mitbringsel für Tochter, zwei weitere Triples für meine Whisky-Sammlung und eine Westie-Karte für Bekannte mit Westie. Am Hafen gab es ein ziemlich großes Schiff (Küstenwache) und tatsächlich einen Seehund, der im Hafenbecken neugierig auf die Kaimauern schaute. Glück muss man haben! Die Rundfahrt mit dem Speed-Boot zu den Robbenbänken und Delfinen war leider schon weg und so wird es bei den Fantasien bleiben.
Den Nachmittag und Abend über konnten wir sehen, wie ein Regenband nach dem anderen im Landesinnere vorbei zog, während wir an der Küstenlinie blauen Himmel und Sonne hatten. Ich sage ja: Schottland liebt uns!
Ob wir morgen wohl auch so ein Glück haben werden? Wir wollen in eine einsame kleine Bucht namens „Sandwood-Bay“, 90 Minuten Fahrzeit und zwei Stunden Fußmarsch weiter nördlich. Und wenn nicht – nun, dann suchen wir uns eben ein neues Ziel, Schottland hat ja genug davon. Bis dahin Gute Nacht!
Nachtrag: Wir hatten noch ein Guinnes, einen Topf Muscheln und eine Gratis-Vorführung mit Drums & Pipes im Dorf und kamen dem entsprechend spät, aber gut gelaunt zurück.


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01.09.2010|14:12 | stucki | 10
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